Ratgeber·Akustik-Trennwände

Wie viele Trennwände braucht ein Büro? Die Rechnung, die kein Angebot mitliefert

Lena Moritz, Fachredaktion Möbel und Einrichtung

Von Lena MoritzFachredaktion Möbel und Einrichtung

Zuletzt geprüft am 29. August 2026

5 Min Lesezeit · Daten und Änderungsverlauf

Die Rechnung geht in drei Schritten. **Erstens die Vorgabe:** ASR A3.7 nennt für Mehrpersonenbüros eine Nachhallzeit von **„T = 0,6 s"**, für Callcenter 0,5 und für Ein- und Zweipersonenbüros 0,8. **Zweitens die Formel:** „T[s] = 0,163 x V / A" — nach der äquivalenten Absorptionsfläche aufgelöst ergibt das für ein Büro von 150 Kubikmetern rund **41 Quadratmeter**. **Drittens der Beitrag je Produkt:** A = α × S, bei freistehenden Elementen über beide Seiten. Eine Tischtrennwand bringt so rund **0,7 m²**, eine große Stellwand rund **2,7**, ein Wandabsorber der Klasse A rund **0,45**. Der Raum ist dabei nicht leer: Personen, Polstermöbel und Teppich zahlen bereits ein. Was fehlt, ist meist eine **Deckenfläche**, und dort liegt die wirksamste und billigste Lösung.

Von allen Zahlen in diesem Bereich ist diese die nützlichste, und sie steht in keinem einzigen Angebot: wie viel ein Produkt zum Raum beiträgt, gemessen an dem, was der Raum braucht.

Beides lässt sich ausrechnen. Man braucht dafür eine Vorgabe, eine Formel und ein Maßband.

Schritt 1: Was der Raum erreichen soll

ASR A3.7 nennt Nachhallzeiten für Arbeitsräume, gemessen in den Oktavbändern von 250 bis 2000 Hertz:

Raumart Zielwert
Callcenter T = 0,5 s
Mehrpersonenbüro T = 0,6 s
Ein- und Zweipersonenbüro T = 0,8 s

Für sonstige Räume mit Sprachkommunikation lässt die Regel zwei Ersatzwege zu: „ein mittlerer Schallabsorptionsgrad von mindestens α = 0,3" oder, in größeren Räumen, „eine Schalldruckpegelabnahme je Abstandsverdopplung von mindestens 4 dB".

Der zweite Weg ist für Großräume der praktischere, weil die Nachhallzeit dort ohnehin schwer zu fassen ist.

Schritt 2: Was das an Fläche bedeutet

Die Sabinesche Formel verbindet Raumvolumen und Absorptionsfläche mit der Nachhallzeit:

T[s] = 0,163 × V / A

mit „T = Nachhallzeit", „V = Raumvolumen in m³" und „A = äquivalente Schallabsorptionsfläche in m²". Der Faktor 0,163 hat die Einheit s/m und „wurde durch Sabine in Versuchen bestimmt".

Nach der Fläche aufgelöst:

A = 0,163 × V / T

Für ein typisches Mehrpersonenbüro — 60 Quadratmeter Grundfläche, 2,50 Meter Höhe, also 150 Kubikmeter — bei einem Ziel von 0,6 Sekunden:

A = 0,163 × 150 / 0,6 = rund 41 m²

Für andere Räume:

Raum Volumen Ziel nötige Absorptionsfläche
Homeoffice, 15 m² 37 m³ 0,8 s rund 8 m²
Zweierbüro, 25 m² 62 m³ 0,8 s rund 13 m²
Mehrpersonenbüro, 60 m² 150 m³ 0,6 s rund 41 m²
Großraum, 200 m² 500 m³ 0,6 s rund 136 m²

Schritt 3: Was ein Produkt beiträgt

Die äquivalente Absorptionsfläche eines Bauteils ist

A = α × S

also Absorptionsgrad mal Fläche. Bei einem freistehenden Element zählen beide Seiten, bei einem an der Wand montierten nur eine.

Damit lassen sich die Produkte aus unseren drei Vergleichen beziffern:

Produkt Maß wirksame Fläche α Beitrag
Tischtrennwand 80 × 62 cm 0,99 m² (beidseitig) 0,7 0,7 m²
große Stellwand 140 × 140 cm 3,92 m² (beidseitig) 0,7 2,7 m²
Wandabsorber Klasse A 100 × 50 cm 0,50 m² (einseitig) 0,9 0,45 m²
Filzpaneele, 20 Stück je 30 × 30 cm 1,80 m² (einseitig) 0,3 ⁽¹⁾ 0,54 m²

⁽¹⁾ geschätzt — für dieses Produkt liegt kein Kennwert vor. Wir rechnen bewusst mit einem vorsichtigen Wert, weil bei 1,4 kg/m² Flächengewicht mehr nicht zu erwarten ist.

Der Faktor zwischen der schwächsten und der stärksten Einzelmaßnahme ist sechs, und die stärkste ist die große freistehende Wand, nicht der hochwertigste Absorber. Fläche schlägt Klasse, solange die Klasse nicht völlig zusammenbricht.

Die Zahl, um die es geht

Setzt man beides nebeneinander, beantworten sich die meisten Kaufentscheidungen von selbst:

Maßnahme Stück für 41 m²
Tischtrennwände rund 60
große Stellwände rund 15
Wandabsorber Klasse A rund 90
Deckensegel, 120 × 120 cm, Klasse A rund 32

Neunzig Wandabsorber sind keine Einrichtungsentscheidung mehr, sondern ein Bauvorhaben. Und sechzig Tischtrennwände gibt es in einem Büro mit zwölf Arbeitsplätzen schlicht nicht.

Das ist die ehrliche Antwort auf die Titelfrage: Mit Trennwänden allein erreicht man die Vorgabe nicht.

Was die Rechnung nicht sagt

Drei Einschränkungen, und alle drei sind wichtig genug, um sie nicht zu verschweigen.

Erstens: Der Raum ist nicht leer. Jede Fläche absorbiert etwas — Menschen erheblich, Polsterstühle, Teppichboden, Vorhänge, offene Regale mit Aktenordnern ebenfalls. Ein besetztes Büro klingt hörbar anders als dasselbe Büro leer. Die 41 Quadratmeter sind der Gesamtbedarf, nicht die Zukaufmenge. Wie groß die Lücke tatsächlich ist, sagt erst eine Messung.

Zweitens: Sabine setzt Gleichverteilung voraus. Die Formel nimmt an, dass die Absorption gleichmäßig über den Raum verteilt ist und das Schallfeld diffus. Beides trifft in einem langen, schmalen Büro mit Absorbern an nur einer Wand nicht zu. Sie ist später „zur Eyringschen Nachhallformel präzisiert" worden, die für alle Absorptionsgrade gilt; für einen Überschlag reicht Sabine, für eine Planung nicht.

Drittens: Nachhallzeit ist nicht das einzige Kriterium. Im Großraum entscheidet oft der Ablenkungsabstand nach DIN EN ISO 3382-3 — „der Abstand von der Schallquelle ab dem der STI unter den Wert 0,5 absinkt". Er hängt nicht nur an der Absorptionsmenge, sondern daran, wo sie sitzt und ob der direkte Schallweg unterbrochen ist. Genau dort spielen Trennwände ihre Stärke aus, obwohl sie zur Absorptionsfläche wenig beitragen.

Warum die Decke gewinnt

Wenn neunzig Wandelemente unrealistisch sind und sechzig Trennwände nicht existieren, bleibt die Frage, wo die Fläche herkommen soll.

Sie kommt von oben, und dafür gibt es zwei Gründe.

Der geometrische: Schall läuft zwischen harten, parallelen Flächen hin und her. Im Büro sind das Decke und Boden. Der Boden ist meist belegt, gedämpft und verstellt; die Decke ist glatt, hart und leer. Sie ist die eine große Fläche im Raum, an der noch niemand etwas getan hat.

Der praktische: Eine Deckenfläche steht niemandem im Weg, verstellt keine Sichtachse, braucht keinen Stellplatz und muss nicht um Möbel herum geplant werden. Zweiunddreißig Deckensegel klingen nach viel und sind in einem 60-Quadratmeter-Raum eine unauffällige Rasterfläche.

Trennwände bleiben trotzdem sinnvoll, aber für eine andere Aufgabe: Sie unterbrechen die direkte Sichtlinie und damit den kürzesten Schallweg zum Nachbarn. Das ist eine punktuelle Wirkung am Arbeitsplatz, keine Raumwirkung.

Die Reihenfolge, in der man vorgeht

  1. Volumen messen. Grundfläche mal Höhe. Zwei Zahlen, fünf Minuten.
  2. Ziel bestimmen. 0,6 Sekunden im Mehrpersonenbüro, 0,8 im Zweierbüro, 0,5 im Callcenter.
  3. Bedarf rechnen. A = 0,163 × V / T.
  4. Bestand abschätzen. Teppich, Polster, Vorhänge, Menschen. Das sind keine Kleinigkeiten. Wer es genau wissen will, misst.
  5. Die Decke zuerst. Sie liefert die Fläche, die sonst niemand liefert.
  6. Dann die Arbeitsplätze. Trennwände dort, wo Sichtlinien zwischen zwei Gesichtern verlaufen — auf mindestens 55 Zentimeter über der Tischplatte, sonst läuft der Schall darüber.
  7. Ab zwanzig Quadratmetern Zukauf: messen lassen. Ab dieser Größenordnung entscheidet die Verteilung über das Ergebnis, und die Überschlagsrechnung sagt darüber nichts.

Warum die Dicke eines Absorbers darüber entscheidet, in welchem Frequenzbereich er überhaupt wirkt, steht im Vergleich der Wand- und Deckenpaneele. Warum eine Trennwand nicht dämmt und welche Kennzahl ihre Wirkung stattdessen beschreibt, im Ratgeber Absorbieren oder abschirmen. Und was αw, Klasse und NRC im Einzelnen bedeuten, im Ratgeber zu Schallabsorptionsgrad und Absorberklassen.

Häufige Fragen

Welche Nachhallzeit schreibt die Arbeitsstättenregel vor?

ASR A3.7 nennt für Mehrpersonenbüros „T = 0,6 s", für Callcenter 0,5 s und für Ein- und Zweipersonenbüros 0,8 s, jeweils gemessen in den Oktavbändern von 250 bis 2000 Hz. Für sonstige Räume mit Sprachkommunikation lässt die Regel ersatzweise „einen mittleren Schallabsorptionsgrad von mindestens α = 0,3" zu oder in größeren Räumen „eine Schalldruckpegelabnahme je Abstandsverdopplung von mindestens 4 dB".

Wie rechne ich den Bedarf meines Raums aus?

Mit der Sabineschen Formel „T[s] = 0,163 x V / A", wobei V das Raumvolumen in Kubikmetern und A die äquivalente Absorptionsfläche in Quadratmetern ist. Nach A aufgelöst: A = 0,163 × V / T. Für ein Büro von 60 Quadratmetern Grundfläche bei 2,50 Metern Höhe sind das 150 Kubikmeter, und bei einer Zielzeit von 0,6 Sekunden ergibt das rund 41 Quadratmeter.

Wie viel bringt ein einzelnes Produkt?

A = α × S. Eine Tischtrennwand von 80 × 62 cm mit αw 0,7 hat 0,496 m² je Seite, beidseitig also 0,99 m², mal 0,7 macht rund 0,7 m². Eine Stellwand von 140 × 140 cm kommt beidseitig auf 3,92 m² und damit auf rund 2,7 m². Ein Wandabsorber von 100 × 50 cm der Klasse A wirkt nur einseitig und bringt rund 0,45 m². Die Größenordnungen unterscheiden sich also um den Faktor sechs.

Muss ich den leeren Raum rechnen?

Nein, und das ist der häufigste Fehler in der Überschlagsrechnung. Jede Fläche im Raum absorbiert etwas, auch eine Betonwand. Menschen, Polsterstühle, Teppich, Vorhänge und Aktenordner zahlen erheblich ein — ein besetztes Büro klingt hörbar anders als dasselbe Büro leer. Die 41 Quadratmeter sind der Gesamtbedarf, nicht die Menge, die zugekauft werden muss. Wie viel fehlt, zeigt erst eine Messung.

Warum ist die Decke die richtige Fläche?

Weil sie groß, ungenutzt und dem Boden gegenüber ist. Schall läuft zwischen zwei harten, parallelen Flächen hin und her; im Büro sind das Decke und Boden. Der Boden ist meist belegt und teilweise gedämpft, die Decke fast nie. Eine abgehängte Akustikdecke oder Deckensegel liefern in einem Zug die Fläche, für die man an der Wand Dutzende Einzelelemente bräuchte, und sie stehen niemandem im Weg.

Wann lohnt sich ein Akustiker?

Sobald es um mehr als einen Raum geht, sobald eine Gefährdungsbeurteilung oder eine Ausschreibung im Spiel ist, oder sobald die Überschlagsrechnung mehr als etwa zwanzig Quadratmeter Zukauf ergibt. Die Sabinesche Formel setzt gleichmäßige Verteilung voraus und ignoriert die Geometrie des Raums; ab einer bestimmten Größe wird die Verteilung wichtiger als die Summe. Eine Messung nach DIN EN ISO 3382-3 kostet einen Bruchteil dessen, was falsch gekaufte Absorber kosten.

Wer diesen Beitrag verantwortet

Lena Moritz, Fachredaktion Möbel und Einrichtung

Lena Moritz

Fachredaktion Möbel und Einrichtung

Schreibt über Büromöbel, Ablagesysteme und Polstermöbel.

Redaktion mit Schwerpunkt Wohn- und Einrichtungsprodukte, Möbel und Stauraum

Wie wir einordnen

Wir ordnen kriterienweise ein und vergeben keine Gesamtnote. Diese fünf Kriterien liegen jedem Vergleich zugrunde:

Eignung für den Zweck
Ob das Modell die Anforderung erfüllt, um die es im Beitrag geht — Sitzhöhenspannweite, Traglastfenster, Kabinenvolumen, Kabinenmaß. Der Wert, an dem eine Kaufentscheidung tatsächlich scheitert.
Belegte Spezifikationen
Wie viele der kaufentscheidenden Werte der Hersteller überhaupt beziffert — und ob sie sich mit unabhängigen Quellen decken. Ein Anbieter, der schweigt, wird nicht bessergestellt als einer, der offenlegt.
Verarbeitung und Haltbarkeit
Was Material, Konstruktion, Ersatzteilversorgung und dokumentierte Ausfallmuster über die zu erwartende Lebensdauer sagen. Bei Gepäck und Büromöbeln der Punkt, an dem sich Preisklassen wirklich trennen.
Aufwand für Aufbau und Betrieb
Was ein Produkt vor der ersten Nutzung verlangt und was danach regelmäßig anfällt — Montage, Anschluss, Elektrofachkraft, Reinigung, Folgekosten je Verbrauchsmaterial.
Transparenz des Anbieters
Ob der Hersteller die Zahlen, an denen die Kaufentscheidung hängt, selbst veröffentlicht — und ob seine Angaben mit den Händlerdatenblättern übereinstimmen. Wer schweigt oder sich widerspricht, verliert hier.

Vollständige Methodik, einschließlich dem, was wir nicht tun

Aktualisierung und Quellen
Veröffentlicht
29.08.2026
Geändert
29.08.2026
Geprüft
29.08.2026
Quellen
5

Belege

  1. [1]ASR A3.7 „Lärm", Abschnitt 5Institution oder Normvorschriften.bgn-branchenwissen.deQuelle der Zielwerte: Mehrpersonenbüros „T = 0,6 s", Callcenter „T = 0,5 s", Ein- und Zweipersonenbüros „T = 0,8 s", jeweils in den Oktavbändern 250 bis 2000 Hz. Für sonstige Räume mit Sprachkommunikation ersatzweise „ein mittlerer Schallabsorptionsgrad von mindestens α = 0,3" oder „eine Schalldruckpegelabnahme je Abstandsverdopplung von mindestens 4 dB". Für Tätigkeitskategorie I soll „ein Beurteilungspegel von 55 dB(A) nicht überschritten werden", für Kategorie II 70 dB(A). Abgerufen am 29.08.2026.
  2. [2]Sabinesche Formel — Glossar Baunetz WissenQuellebaunetzwissen.deQuelle der Formel: „T[s] = 0,163 x V / A" mit „T = Nachhallzeit", „V = Raumvolumen in m³" und „A = äquivalente Schallabsorptionsfläche in m²". „Der Faktor 0,163 (Einheit: s/m) wurde durch Sabine in Versuchen bestimmt." Die äquivalente Absorptionsfläche wird „durch Aufsummieren der Schallabsorptionsanteile aller vorhandenen Raumoberflächen ermittelt". Abgerufen am 29.08.2026.
  3. [3]Nachhallzeit und äquivalente AbsorptionsflächeQuellede.wikipedia.orgHält fest, dass sich „die Nachhallzeit proportional zum Volumen eines Raumes und umgekehrt proportional zur äquivalenten Absorptionsfläche der umschließenden Oberflächen verhält", und definiert die Absorptionsfläche als Summe der Produkte aus Teilflächen und ihren Absorptionsgraden. Weist darauf hin, dass die Sabinesche Formel später „zur Eyringschen Nachhallformel präzisiert" wurde, die für alle Absorptionsgrade gilt. Abgerufen am 29.08.2026.
  4. [4]Ablenkungsabstand nach DIN EN ISO 3382-3Quelleakustikbuero.deDer Ablenkungsabstand ist „der Abstand von der Schallquelle ab dem der STI unter den Wert 0,5 absinkt", der Vertraulichkeitsabstand „der Abstand von der Schallquelle ab dem der STI-Wert unter 0,2 absinkt". Zur Beurteilung dienen D2,S und Lp,A,S,4m. Abgerufen am 29.08.2026.
  5. [5]DIN EN ISO 11654 — Schallabsorber für die Anwendung in GebäudenInstitution oder Normdinmedia.deDefiniert den bewerteten Schallabsorptionsgrad αw, der in die Rechnung A = α × S eingeht. Abgerufen am 29.08.2026.

Weiter im Cluster